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Sonntag, 19. Juli 2026

An der Aare entlang im Schwellenmätteli in Bern


Hallo liebe Leser und Leserinnen, ihr müsst immer noch mit mir vorlieb nehmen, der Jaco von uns JacoMis liegt auf dem Kanapee und er radelt in der Tour de France um sein Leben.
Ha...ha...dieses spannende Vergnügen mag ich ihm von Herzen gönnen.

Wenn ihr mögt, so erzähle ich euch wieder ein paar spannende Sachen von Bern und aus meinem " Hunde - Leben ".
Also, wir gehen Richtung  " Schwelli " ( Schwellenmatte ) und wir geniessen dieses Naherholungsgebiet und wir machen genau das was ich auf einer Mauer entdeckt habe:
Treiben lassen....






Das Schwellenmätteli kenne ich seit meiner Jugend. Die Aare hat mich schon immer in ihren Bann gezogen. Nicht zum schwimmen, da bin ich ein Angsthase, aber zum beobachten wie das Wasser fliesst, wie es riecht, wie es glitzert wenn die Sonne drauf scheint, die Vögel, die Insekten...ich komme ins träumen. 
Paul Cézanne, mit dessen Kunst ich mich auch intensiv beschäftigte, formulierte es treffend: Du musst als Maler nicht den Fluss oder die Bäume malen, du musst das Fliessen und das Wachsen malen...oh wie wahr und oh wie schwer !

Etwas später, waren mein damaliger Mann und ich mit unserem Freundeskreis öfters im Restaurant Schwelli zum Fisch essen. Es war damals DIE Adresse. Es war gemütlich unter den Bäumen zu sitzen, direkt am Wasser und immer hing die grosse Reuse am Ausleger. Es war immer ein Hochbetrieb und mitten drin auf dem kühlen Kiesboden unter den schattigen Bäumen lag " der Bäri ". Ein Prachtskerl von einem Bernhardiner Hund. Er war gut genährt, er durfte nicht gefüttert werden, aber es kann einem aus Versehen ja auch mal was auf den Boden fallen...hi...hi.
Auch mein Mann war regelmässig im Schwellenmätteli. Zu dieser Zeit war dies ein Geheimtipp, für den besten Masseur in der Stadt. Nebst seiner Ausbildung hat mein Mann dort seinen letzten Schliff erhalten. Masseur war seine dritte Berufsausbildung und massieren ist ein " Handwerk " das gelernt sein will und das aus meiner Sicht ein Männerberuf ist. Aber diese Zeiten und dieses " Berufsverständnis " ist längstens vorbei und dies in fast allen handwerklichen Berufen oder eben auch im Gastgewerbe. Wo gibt es noch Köche, die ihr Handwerk von A-Z gelernt haben. Alles selber herstellen und frisch kochen und die gut bürgerliche Küche beherrschen, wissen was Gastfreundschaft ist und uns für ihre Qualität anständige Preise verlangen...!!!
Der erste Beruf meines Mannes war eben Koch, von ihm habe ich kochen gelernt und deshalb schaue ich auch kritisch auf mein Teller, wenn ich im Restaurant essen gehe.

So, fertig gemotzt....wir gehen weiter Richtung " Englische Anlagen ".


Diese Bezeichnung erhielt dieses Gebiet durch die Erschliessung des Kirchenfelds. Das brachliegende Kirchenfeld im Süden von Bern, ging 1856 an die Berner Burgergemeinde über. Es bildete sich ein Komitee, das den Wunsch äusserte, aus dem Kirchenfeld eine Wohngegend zu gestalten für die " habliche Bevölkerung ", die in der Stadt, sowie im Handel mit dem Ausland, ihre Geschäfte betrieben. Eine Brücke musste her, schöne Gärten und Parkanlagen und schöne Villen und Wohnhäuser. 1879 übernahm eine englische Baufirma diesen Auftrag. Die Brücke wurde gebaut und die Häuser wurden im englischen Stil gebaut. Die Hanglage zur Aare wurde in einen Englischen Park umgestaltet. Heute beinhaltet diese Bezeichnung das Schwellenmätteli, das Dählhölzli und einen Teil des Kirchenfelds. Es war aber auch das Ziel, die Bodenpreise so hoch zu halten, dass kein Proletarier Quartier entstehe....So, so, ich habe diese " habliche Bevölkerung " kennengelernt, auch aus den Botschaften. Meine Eltern und später auch wir waren mit unserem Geschäft und unserer Praxis in einem Zunfthaus eingemietet. Ich hatte " habliche Kundschaft " im Burgerspital und im Burgerheim und wie das damals eben noch war; man kannte sich...und Bern war ein Dorf...wisst ihr schon das Neuste...bla...bla...bla. Ich kann euch nur den guten Rat geben: Lasst euch nicht durch Geld, Titel und Einbildung, blenden. Es ist nicht alles Gold was glänzt !!!!!
Aber ich hatte Kundschaft, die im Winter in ihrem Stadthaus wohnten und im Sommer im Kirchenfeld " auf dem Land " in ihrer Sommerresidenz...ha...ha, das fand ich amüsant.


Von dieser Uferseite hat man einfach einen wunderbaren Blick auf die Häuserzeile der Berner Unterstadt. Hier links im Bild die Rückseite des Beatrice von Wattenwyl Haus.
Auch zu diesem " orangen Haus " habe ich eine Erinnerung. Viele Jahre wurde dort ein Kinderheim-Hort betrieben. Während meiner zweiten Berufsausbildung war von meiner Lehrmeisterin ihr Bub dort in der Tagesstätte. Um 18 Uhr musste er abgeholt werden. Das schaffte meine Chefin oft nicht, so voll war ihr Kundenbuch. Also holte ich jeweils diesen Buben ab und wir spazierten zusammen den " Casino Stutz " ( Weg ) hinauf an die Marktgasse. Er erzählte seine Erlebnisse mit den anderen Kinder und ich erzählte ihm Geschichten....obwohl ich um 18 Uhr laut Arbeitsvertrag Feierabend hatte. Entweder hat man Teamgeist, weiß was Freundschaft ist, oder man lernt es nie !


Auch mein damaliger Mann hat seine Erinnerungen an diesen Teil der Aare. Als kleiner Schulbub wohnte er mit seinen Eltern im Matte - Quartier und ging dort ins Schulhaus. Es war normal, dass diese Häuser immer wieder " nasse Füße " bekamen. Ein Fluss lässt sich eben nur zum Teil bezwingen und der " Drache des Wassers " wird immer mehr zuschlagen !


Hier nochmal einen Rat von mir: die Aare ist nicht harmlos, sie fordert jedes Jahr ihre Opfer. Beachtet die Baderegeln, eine Schwimmweste gibt Sicherheit, besonders bei Kleinkinder. Und ein zugedröhnter " Böötlikapitän " ( Kapitän für Gummiboote ) durch Alkohol und Drogen, kommt auch nicht immer ans Ziel...!
Aber Jacos und mein Ziel war klar, mit dem Bärenpark Lift gings zum Tramdepot und dort nahmen wir den Bus zum Zentrum Paul Klee. Davon werde ich euch in einem weiteren Post berichten.


Ich sage Tschüss bis bald, geniesst den Sommer und die Urlaubszeit.
Für euer reges Interesse bedanken wir uns und wer noch nicht genug zu lesen bekam, hier noch ein paar Links und ein paar ältere Posts....eure Mis von den JacoMis. 😊






Hier sind ein paar ältere Posts von meinem Leben. Sie handeln von den Erlebnissen mit unserem Riesenschnauzer Hund " Samir ", mit dem ich viel in diesem Aare Abschnitt unterwegs war. 



Donnerstag, 9. Juli 2026

An der schönen grünen Aare in Bern


Einen schönen guten Tag wünschen euch die JacoMis 😊

Ihr müsst zur Zeit mit mir, der Mis vorlieb nehmen. Mein Jaco ist im Tour de France Fieber und sitzt vor der Flimmerkiste. Ich bin im Gärtnerinnen Fieber und ich muss meine Topfpflänzchen betüteln und vor dem Hitzekollaps retten. Am Wochenende kommt dann noch das Fussballfieber dazu. Dann wäre da noch das Krimifieber, das Velvetfieber ( Spanische TV Serie ) und dann muss ich noch die interessanten Berichte in der Weltwoche hören, und studieren wie ich die Welt retten könnte....Himmel, Donner und Zwirn, wenn das nur schneien würde. Dann wäre das Leben wieder kühler, ruhiger, leiser und ich träume von einer gemütlichen Jurte, einem Samowar mit russischem Tee und ich höre mir Geschichten an von wilden Reiter, tapferen und fleissigen Frauen und fröhlichen Kinder....
Leute, Träume sind der Motor des Lebens. Aber Bewegung in der Natur ist auch belebend. Also, kommt mit, wir gehen an die schöne grüne Aare.



Von Paul Klee: Einbaum über Land spazierend 1937
Tempera und Bleistift auf Papier auf Karton

Einen Einbaum brauchen wir nicht, wir beginnen bei der Bundeshausterrasse und gehen den Bundesrain hinunter ins Marzili - Quartier. Entweder zu Fuss oder mit der Marzili Bahn.


Dieser Bundesrain war mein Fitnessparcour. In meinem Lebensabschnitt als ich noch mit meinem damaligen Mann in Bern lebte und arbeitete, war dies der Morgenmarsch mit dem Hund. Aber anders rum, der " Bundesrain - Stutz " kam am Schluss. Ja, manchmal leise fluchend, aber ein Indianer kennt keinen Schmerz und im Sommer belohnten mich die Sommerlinden mit ihrem betörenden Duft. Und die Waage zeigte mir 50 Kilo an, jupiiii.
Ich kann mich erinnern, dass es in einer schönen Villa mit viel Umschwung eine Zeitlang eine Kunstgalerie gab. Dort war auch oft ein Hund im Garten. Kaum hatten sich die beiden Hunde entdeckt, rannten sie wie verrückt am Zaun hin und her und bellten sich an. Es war für sie ein " vergnügliches Hundespiel ", wo wir Menschen eben nicht verstehen.
Schon sind wir im Marzili Quartier. Ich habe das als beliebtes und schönes Wohnquartier in Erinnerung. Zumal ich schon als junge Frau mich mit meinem Freundeskreis im    Marzilibad traf. Unser Treffpunkt war bei den drei Pappeln. In die Aare ging ich nicht, das ist nur für geübte Schwimmer und das bin ich nicht. Aber es gab genug andere Highlights. Erstens wurde im Bad für uns Frauen " Oben ohne " lanciert. Dann gab es einen flotten, braungebrannten Bademeister....hi...hi. Der erzählte uns damals, dass die Umkleidegarderobe sowie die Damentoiletten bei den Frauen, viel dreckiger sei als bei den Männer. Was er so alles finde sei grauslich....das war beschämend und ich frage mich, ob das heute besser ist. Wenn ich die Sauberkeit in der Stadt sehe und die verschiedenen " Schönheiten " betrachte, so kommen mir Zweifel....!!!
Aber es hatte noch was im Marzili, den besten Bäcker für Früchtekuchen, Brötchen, Nussgipfel...das war eine Goldgrube.




Auch ich habe das Intermezzo vom Marzilibad gelesen. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Von Beginn an war das Marzili in verschiedene Bereiche eingeteilt. Dies ergibt auch in der heutigen Zeit einen Sinn. In vielen Länder ist dies eine Selbstverständlichkeit, dass es eine Frauen und eine Männerabteilung gibt, am Strand sowie in den Bäder. Zudem, setzt euch mal in südlichen Länder, in Destinationen wo der Islam praktiziert wird, als Frau in ein Männer Kaffeehaus, da könnt ihr was erleben....!!! So kann man getrennt, als Frau oder als Mann, so sein wie man sich wohl fühlt und hat keinen Stress. Früher gab es hier auch eine Familienabteilung. Auch dies ist sinnvoll. Die Kleinkinder sind so besser geschützt vor Pädophilen, es sind gemeinsame Interessen vorhanden, das Geschrei sind sich die Eltern gewohnt und uns " Aussenstehende " nervt es nicht !!!
Somit ist das Paradiesli  seit ewigen Zeiten beliebt. In meinen zwei Berufen hatte ich etliche Kundinnen, die dort im Sommer ihren Stammplatz hatten. Sie genossen das " Textil frei " und sie brauchten keine Hemmungen zu haben wegen ihrer Körperfülle, ihrer Deformation z.B durch Krebs oder ihrem älteren Körper wo halt alles etwas schrumpliger wird. Dieses alte " Frauenrecht " steht uns Frauen zu und sollte respektiert werden. Wo liegt das Problem ihr jungen Frauen ?! Ihr kämpft ja für Gleichberechtigung auf allen Ebenen. Schon wo ich noch gearbeitet habe, kursierte das Gerücht, dass im Bundeshaus die Männer einige Büros am liebsten gemieden haben, weil dort Taranteln hausten...!!!
Ein Transgender oder eine " eingetragene Frau " im Ausweis hat im Paradiesli nichts verloren. Diese Gruppierung ist in der Minderzahl und hat sich anzupassen. Ich werde in einem anderen Post auf dieses Thema noch näher eingehen, weil mein bester Kollege ein Transgender war. Also ihr klugen Frauen bei der Stadtregierung, macht wieder verschiedene Abteilungen im Marzili, eben auch eine Transgenderabteilung, dann ist das Problem gelöst. Es geht weiter Richtung Schwellenmätteli, auch da habe ich euch einiges zu erzählen...


Ich sage Tschüss bis zum nächsten Post, eure Mis von den JacoMis 😊

Wie immer hier noch ein paar Links für Interessierte.                                                               



Sonntag, 10. Mai 2026

Gedanken und Impressionen vom Muttertag.


Hallo liebe Leser und Leserinnen, hier sind wir wieder, die JacoMis und ihre bunte Welt.
Muttertag...für viele ist dies ein Familientag. Aber längstens nicht für alle. Dieser Tag wurde in meiner Familie auch nie zelebriert. Meistens kam ich mit einem Blumenstrauß daher und Vater unternahm mit Mam einen Ausflug oft begleitet mit Freunden. Zudem lebte ich mit meinem damaligen Mann nicht nur um die Ecke. Mal wohnten wir im Berner Oberland, dann ging es in den Kanton Graubünden, dann wieder nach Bern, in die Westschweiz und später nach Spanien. Meine Eltern hatten ihr Leben und ihren Freundeskreis, mein damaliger Mann und ich hatten unser Leben.
Dann erkrankte mein Vater an Demenz. Das stellte unser Leben auf den Kopf.

" Morgen für Morgen kommt man zur Welt. "
Eugène Ionesco

Von Spanien aus und mit jeweils mehrwöchigem Aufenthalt in der Schweiz, organisierte ich für meine Eltern alles. Mein ehemaliger Beruf als Podologin half mir. Ich betreute nebst meiner Praxis Alten-und Pflegeheime. Mit dementen Patienten und Patientinnen kannte ich mich aus. 
Es war eine schwierige und intensive Lebensphase für uns.
In so einer Situation erkennt man die wahren Freunde. Der grosse Bekanntenkreis meiner Eltern verkleinerte sich...!
Ich wusste, dass es wichtig war, dass meine Mam ein soziales Umfeld aufbaut. Ich erkundigte mich an ihrem Wohnort nach den Aktivitäten von der Kirchgemeinde. Das entpuppte sich als guter Entscheid.
Mit ihrem offenen und humorvollen Wesen hatte meine Mam schnell Zugang in dieser Gemeinschaft. Bald entwickelten sich schöne Freundschaften, die bis zum heutigen Tag halten. 
Das gab aber auch für mich einen Lernprozess. War es früher manchmal zwischen Vater und mir ein Seilziehen um Mam, so musste ich lernen, dass andere Menschen für Mam auch wichtig wurden...ja, ich musste meine Eifersucht bekämpfen ! Mam gehörte mir...Fertig !

" Verlache den kleinen Kern nicht ! Eines Tages wird er ein Palmbaum sein."
Arabisches Sprichwort


Ja, wir wurden beide ein Palmbaum. Mam hat tapfer die sieben Jahre durchgestanden wo Vater in Kühlewil im Pflegeheim lebte. Nach seinem Tod war die Belastung weg und Mam konnte ihren Freundeskreis noch mehr aufbauen und pflegen.
Ich baute mir mit Jaco ein neues Leben auf. Meine Ehe hatte diese belastenden Jahre nicht überstanden.
Nun lebt meine Mam selber seit fast fünf Jahren im Alters-und Pflegeheim. Wie kann es anders sein, trotz ihrem auf und ab mit ihrer Gesundheit, hat sie ihren Lebenswillen behalten, ihren Humor und ihre Offenheit. Sie macht an allen Aktivitäten mit, so weit es ihr im Rollstuhl möglich ist. Für die Ärzte ist sie ein medizinisches Wunder, mit ihrem " morschen Innenleben " und bei den Pflegerinnen ist sie der Liebling...also ihr seht, ich muss Mam immer noch teilen.
Das habe ich diesen Muttertag auch gemacht. 
Mam war viele Jahre mit einer ehemaligen Schulfreundin befreundet, bis zu deren Tod. Mit den beiden Töchter von dieser Freundin hat Mam einen regen Kontakt. Sie wurde für die beiden eine " Ersatzmutter ". So kam jedes Jahr die Frage daher, mit wem verbringst Du den Muttertag...?
Nun, seit meine Mam in der Pflegeabteilung ist, habe ich alle 14 Tage Muttertag und das Telefon und die Ohren werden zusätzlich unter der Woche auch heiss...
Also habe ich dieses Mal meine Mam " frei gegeben ". Sie wurde von einer dieser Töchter zum Essen ausgeführt. Schaut mal wie meine Mam strahlt.


Ich finde, das war ein guter Entscheid. Wichtig ist doch, dass wir uns bemühen jemandem eine Freude zu machen ! Sei dies die eigene Mam, oder wer auch immer...

" Freude ist wie ein Wattenmeer, in dem zu Zeiten der Ebbe
jedermann spazieren gehen kann."
Christian Morgenstern

So haben Jaco und ich an diesem Muttertag wieder einmal dem Waldfriedhof in Schaffhausen einen Besuch gemacht. 
Und hier sind ein paar Impressionen von diesem besonderen Ort. Schaut mal wie schön.





" Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut. "
Asiatische Weisheit







" Ich wandere zwischen wilden Blumen und warte,
bis aus der Raupe ein Schmetterling wird,
ein wunderschöner,
und den nenne ich Frieden."



Somit wünschen wir euch eine gute und friedliche neue Woche....Tschüss eure JacoMis 😊

Dienstag, 7. April 2026

Mein Altenburg - Nostalgische Erinnerungen

 # Ein altes Haus voller Erinnerungen: Der Lippoldsche Hof in Altenburg

Es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten – und für mich ist eines dieser besonderen Orte der Lippoldsche Hof am Markt 11 in Altenburg. Schon als Kind war dieses alte, charmante Haus ein fester Bestandteil meiner Abenteuer. Meine Oma lebte damals im Seitenflügel, und mein Bruder und ich haben dort jede Ecke erkundet, vom dunklen Keller bis hinauf zum riesigen Dachboden. Es war ein Ort voller Geschichten, Geheimnisse und vor allem: Kindheitserinnerungen.

## Ein Haus mit Geschichte

Der Lippoldsche Hof hat eine lange und spannende Vergangenheit. Ursprünglich war das Vorderhaus zum Markt hin der Gasthof „Zur Goldenen Krone“, der nach einem Brand im Jahr 1728 neu aufgebaut wurde. Bis 1798 wurden hier Reisende bewirtet, bevor der Gasthofbetrieb eingestellt wurde. 1812 kaufte dann ein Kaufmann namens Lippold aus Greiz das Haus, und seitdem trägt es seinen Namen.

Besonders beeindruckend war der Fachwerkhinterhof mit dem großen Tor zur Ringstraße. Leider wurde dieser in den 1960er Jahren abgerissen – schade, denn ich erinnere mich noch gut daran, wie wir als Kinder dort gespielt haben. Im Seitenflügel des Hauses war damals auch eine kleine Kaffee-Rösterei untergebracht. Und meine Oma? Die hatte dort Kaninchen und sogar Hühner waren vor Ort! Manchmal mussten wir ein frisch gelegtes Ei direkt vor Ort trinken – eine Erfahrung, die man wohl nicht so schnell vergisst.

## Abenteuer auf dem Dachboden

Der Dachboden war für uns Kinder ein Paradies. Mit seiner riesigen Fläche bot er genug Platz, um Roller oder sogar Fahrrad zu fahren – drinnen! Alles war ein bisschen schief und krumm, aber das machte den Charme des Hauses nur noch größer. Wir pflegten damals zu sagen: „Schief ist englisch, und englisch ist modern.“ Ein Spruch, der bis heute irgendwie passt.

Nach dem Tod meiner Oma im Jahr 1963 endeten unsere regelmäßigen Besuche im Lippoldschen Hof. Doch die Erinnerungen an diese Zeit blieben lebendig.

## Zurück zu den Wurzeln

Jahrzehnte später, 2019, führte uns das Leben wieder nach Altenburg zurück – diesmal aus dem fernen Katalonien. Und wie das Schicksal es so wollte, entdeckten wir auf eBay Kleinanzeigen eine Anzeige: In genau diesem Haus war eine kleine 1,5-Zimmer-Wohnung frei! Für meine Frau („die Mis“) war sofort klar: Da müssen wir hin! Die Vorstellung, in einem so geschichtsträchtigen Haus zu wohnen, ließ uns nicht mehr los.

Am 1. Mai zogen wir schließlich ein und genossen jeden Moment unserer Zeit dort – auch wenn sie nur etwas über ein Jahr dauerte. Der Blick aus der Wohnung direkt auf den Marktplatz war einfach atemberaubend. Und die Dachterrasse? Ein absoluter Traum! Natürlich haben wir auch diesmal das Haus ausgiebig erkundet und uns an jeder Ecke an alte Zeiten erinnert. Sogar eine kleine Dachkammer auf dem Dachboden gehörte zu unserer Wohnung – ein weiteres Highlight.

## Schief ist modern

Das Leben im Lippoldschen Hof war eine Reise in die Vergangenheit – und gleichzeitig ein ganz neues Abenteuer. Ja, nichts in diesem Haus war so richtig gerade. Aber genau das machte es so besonders. Es hatte Charakter, Charme und eine Geschichte, die man förmlich spüren konnte.

Wenn ihr jemals die Chance habt, ein altes Haus zu erkunden oder sogar darin zu wohnen: Tut es! Jedes Knarren der Dielen, jede schiefe Wand erzählt eine Geschichte. Und wer weiß – vielleicht werdet ihr eines Tages genauso wie ich auf eure Zeit dort zurückblicken und feststellen: Manche Orte sind einfach mehr als nur vier Wände.

Habt ihr auch so einen Ort aus eurer Kindheit oder eurem Leben, der euch nie losgelassen hat?  😊 











                                    1960er Jahre  






                                   Blick aus der Wohnung  






                       Dachboden  






                    Via Imperii 


                    Altenburg - Wikipedia

Zeitreisen - Wurzelpark Arriach-Gerlitzen

# Ein Spaziergang durch den Wurzelpark Arriach: Wo Kettensägen Kunst machen! Leute, wie die Zeit vergeht! Kaum zu glauben, dass es schon 12 ...