# Drei Jahre bei der Bereitschaftspolizei der DDR: Erinnerungen an meinen Wehrersatzdienst
Am 1. November 1966 wurde ich zur 20. VP-Bereitschaft nach Potsdam-Eiche einberufen. Damit begann meine dreijährige Dienstzeit bei der Bereitschaftspolizei der DDR. Rückblickend war es eine Zeit strenger Ausbildung, eines stark geregelten Alltags und besonderer Einsätze. Zugleich entstanden Freundschaften, die weit über die Dienstzeit hinaus Bestand hatten.
## Grundausbildung und ein außergewöhnlicher Einsatz
Der erste Monat stand ganz im Zeichen einer straffen Grundausbildung. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch ein Einsatz nach dem Absturz eines amerikanischen Postflugzeugs in der Nähe von Potsdam. Das Flugzeug war mit dem 63 Meter hohen Alten Mühlenberg kollidiert und explodiert. Alle drei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Unsere Aufgabe bestand darin, Überreste der Post einzusammeln. Bis unmittelbar an die Absturzstelle durften wir allerdings nicht vordringen: Dort übernahm die Sowjetarmee.
Von Dezember 1966 bis Mai 1967 folgte in Liegau-Augustusbad in Sachsen meine Ausbildung zum Oberwachtmeister und zugleich zum Geschützführer für das RG-82. Auch diese Monate waren von hohen körperlichen und militärischen Anforderungen geprägt.
## Als Gruppenführer zurück in Potsdam
Im Juni 1967 kehrte ich nach Potsdam zurück. Dort übernahm ich als Gruppenführer in einer SPW-Kompanie die Verantwortung für eine von vier Geschützbedienungen.
In diesen Monat fiel auch der Sechstagekrieg im Nahen Osten. Bei uns wurden nun Märsche über 50 Kilometer mit voller Ausrüstung angesetzt. Hinzu kamen Nachtmärsche über 15 Kilometer und häufige Nachtalarme. Kleine Freiräume wussten wir dennoch zu nutzen: Wer geschickt war, fand zwischendurch sogar Gelegenheit, sich einen türkischen Kaffee aufzubrühen.
## Der Alltag zwischen Ausbildung und Dienstpflichten
Der Tagesablauf war weitgehend festgelegt:
- **6.30 Uhr:** Wecken, Frühsport und Frühstück
- **8.00 Uhr:** Beginn der Ausbildung
- **Mittagessen + Pause
- **14.00 bis 17.00 Uhr:** Weitere Ausbildung
- **18.00 Uhr:** Abendessen
- **Bis 21.30 Uhr:** Freizeit
- **22.00 Uhr:** Nachtruhe
Regelmäßige Wach- und Küchendienste ergänzten den Ausbildungsbetrieb. Gelegentliche Kinobesuche im Objekt sorgten für etwas Abwechslung. Auch Einsätze zur Suche nach Straftätern gehörten zu unseren Aufgaben.
Manche Erfahrungen wurden schnell zum gemeinsamen Wissen unter den Kameraden. Wenn beim Appell gefragt wurde, wer Klavier spielen könne, meldete man sich besser nicht: Dahinter konnte sich die Aufforderung verbergen, Kohlen in den Keller zu schippen.
Ein fester Bestandteil des Dienstes war außerdem der politische Unterricht, den wir untereinander spöttisch „Rotlichtbestrahlung“ nannten.
## Feldlager, Ausgang und Kameradschaft
Im Sommer wie im Winter fanden regelmäßig Feldlager im Wald statt, die bis zu zehn Tage dauerten. Für die Winterlager wurden die Zelte etwa 60 Zentimeter tief in die Erde eingelassen und mit Stroh ausgelegt. Ein Kanonenofen sorgte für Wärme. Trotz des Schnees blieb mir deshalb weniger die Kälte als vielmehr die besondere Form dieser Unterbringung in Erinnerung.
Ausgang bis Mitternacht war selten. Im Monat gab es einen Tag Urlaub; die vorgeschriebene Gefechtsstärke musste jederzeit gewährleistet bleiben. Dabei bestanden Unterschiede zwischen den Angehörigen des 18-monatigen Grundwehrdienstes und denjenigen mit einer dreijährigen Dienstzeit wie mir.
Unabhängig davon war der Zusammenhalt gut. Wir kamen aus unterschiedlichen Bezirken der DDR, lernten aber, uns aufeinander zu verlassen. Einige der damals entstandenen Freundschaften hielten auch nach dem Ende des Dienstes an.
## Der Einsatz an der Grenze zur ČSSR 1968
Ein weiteres prägendes Erlebnis war unser Einsatz an der Grenze zur damaligen ČSSR Ende August 1968. Hintergrund war die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings durch die sowjetisch geführte Intervention.
Unsere Aufgabe im Zusammenhang mit der „Operation Donau“ bestand in der Kontrolle der DDR-Grenze zur ČSSR. In Erinnerung geblieben sind mir unter anderem Fahrzeuge von DDR-Urlaubern, die zurückkehrten und teilweise mit Hakenkreuzen beschmiert waren.
## Rückblick auf eine prägende Zeit
1969 endete meine Dienstzeit bei der Bereitschaftspolizei. Aus diesen drei Jahren könnte ich noch viele weitere Anekdoten erzählen.
Obwohl Fotografieren damals nicht erwünscht war, hatte ich einen kleinen Fotoapparat im Gepäck. Die entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen geben heute einen persönlichen Einblick in meinen damaligen Alltag.
Mein Rückblick bleibt zwiespältig: Die Kameradschaft und die gemeinsamen Erfahrungen sind mir wichtig. Zugleich ist meine heutige Haltung eindeutig: Für einen Kriegsdienst würde ich mich nicht mehr einspannen lassen – auch nicht für das heutige Deutschland.
Grundausbildung - Handgranatenwurf Grundausbildung Beförderung Unterwegs im SPW Gut getarnt im SPW RG-82 Gefechtsbereit Ziel anvisiert Drahtseilakt AK47 - Kalaschnikow Geschützbedienung Scharfschützengewehr - M52 Sommer 1967
Sommer 1967 Freizeit Spaß in der Kiesgrube Spaß in der Kiesgrube Zugausbildung Geschütz putzen RG82 im Manöver Auf Wiedersehen...
PAN AM Flug 708 - Wikipedia
Prager Frühling - Wikipedia