Advent
...Advent ein Lichtlein brennt. Eine meiner Kindheitserinnerungen, die möchte ich euch, liebe Leser und Leserinnen, erzählen.
Mag
es noch so unerfreulich und schwierig in unserer Welt sein, jedes
Jahr beginnt für uns Christen die Advents Zeit. Sie wird nicht von
allen gleich empfunden. Für die einen ist sie eine Zeit der
Besinnlichkeit und " zur inneren Ruhe " finden. Für die anderen beginnt
das Hektik-Fieber...muss noch dies, muss noch das, muss noch jenes. Schon
als Kind liebte ich diese Zeit. Ich war gerne kreativ. Ich sammelte
bunte Blätter, trocknete sie in Bücher und verwendete sie in
Zeichnungen oder für Schreibkarten. Aus Packpapier schnitt ich
Sterne und Formen, bemalte sie und so hatte ich meine bunten
Schneeflocken wenn ich aus meinem Kinderzimmer nach draußen sah…

Aber
einen Wunsch hatte ich immer, es gab keine Adventszeit für mich ohne
Adventskalender...ohne schönen Adventskalender. Ich hatte da meine
klaren Vorstellungen. Er musste Nikoläuse haben die mit ihrem
Rentierschlitten durch den Himmel flogen. Er musste einen schön
verschneiten Tannenwald haben mit vielen Waldtieren die hervorguckten. Er musste ein schönes Häuschen haben, wo ich durchs Fenster
eine Oma sah, die ihren Enkeln Geschichten erzählte oder mit ihnen
Plätzchen backte...und er musste silbrigen Glitzerstaub haben.
Da
gab es in der Stadt Bern nur ein Geschäft das so was hatte. Der
Kaiser. Mit dem Vorortszug fuhr ich mit meiner Mam nach Bern. Vom Bahnhof rüber zum " Loeb Egge." (Loeb Ecke, ist ein Treffpunkt für die Berner ) Dann ging es durch die Arkaden bis zum "Bärenplatz". Durch den Durchgang des "Käfigturms" und wieder durch die Arkaden die Marktgasse runter. Ich war jedes mal aufgeregt, hüpfte
und sang und hatte ganz rote Wangen...wir waren da, beim Kaiser.
Da ist sie, die Marktgasse mit dem Käfigturm in der Stadt Bern.Eines meiner Acryl Bilder aus der Serie: Meine Naive Kunst
Titel: Tram Nr.13 (Das gibt es gar nicht...hi...hi) Station Bärenpark
Eine mächtige
Drehtüre war der Eingang, zu diesem alteingesessenen Kaufhaus, sie knarrte etwas. Dann stand man in einer
großen gewölbten Halle mit schönen Lüster, links und rechts war
eine Holztreppe mit einem schönen Treppengeländer. Begrüßt wurde
man vom Empfangschef im Anzug, Hemd und Krawatte: Was wünscht die
Dame und das Fräulein…? Es roch nach Papier, Lederwaren...Tabak
und Zigarren... vor lauter schönen und teuren Sachen begann ich nur
noch zu flüstern. Was das alles gab. Ich kannte dieses Geschäft auch noch aus einem anderen Grund. Der jüngste Bruder meiner Mam, mein Lieblingsonkel, den ich mal heiraten wollte, wenn ich gross war, machte in der Schreibwarenabteilung seine Lehre als Verkäufer.
Ich bekam jeweils Stielaugen wenn ich diese Kostbarkeiten sah. Schöne Schreibset, alles aus Leder. Füllfederhalter, jede Variante....Das schönste Schreibpapier, Karten, bunte Farbstifte....Aber eben nicht für die Brieftasche von meinen Eltern!
Das machte nichts, ich war ja wegen etwas anderem da, meinem Adventskalender ! Wo
meine Ecke war wusste ich genau, nach dem Eingang links um die Ecke, in eine Zimmergroße Nische hinein. Da hing die Pracht. Einer schöner wie der
andere, mit Glitzer und ohne Glitzer. Es war jeweils eine Geduldsprobe
für meine Mam, bis ich mich entschieden hatte...keiner entkam meinem
prüfenden Blick. Ich hatte gewählt. Noch schön einpacken lassen
und voller Vorfreude trug ich meine " Trophäe" nach Hause.
Aber am Bahnhof gab es nochmal eine Station, die es nur während der Winterzeit gibt: Das Häuschen mit den heissen, auf Holzkohle gerösteten Esskastanien. In meiner Sprache: "heissi Maroni".
Das duftet schon von weitem und damals konnte man 100 - 200 Gr. noch bezahlen. Heute ist es fast ein "Luxusartikel" geworden.
Mam und ich hatten beide eine Tüte in der Hand und während der Heimfahrt genossen wir unsere Kastanien. beide waren wir glücklich und zufrieden....
Der Advent konnte kommen!